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MZ am 24.03.2015

Am Ende des Verfahrens

Gericht lehnt Antrag eines 19-Jährigen ab

Von Johannes Becker

KIERSPE • Die Verzweiflung ist Fritz Schmid anzumerken - vielleicht sogar ein wenig Verbitterung. Wie geht es dann wohl dem 19-jährigen Ali, der gerade einen ablehnenden Bescheid vom Verwaltungsgericht Arnsberg bekommen hat.

Zwei Jahre lang war der junge Mann auf der Flucht - und dieser oft von Schleusern bestimmte Weg führte über Ungarn (wir berichteten). Dort wurde der junge Mann mit vielen anderen Flüchtlingen in einen Käfig gesperrt, erlebte Misshandlungen und bekam nur einmal am Tag etwas zu essen.

Letztlich musste er seine Fingerabdrücke abgeben und durfte weiterreisen. Schließlich landete er in Deutschland und wurde Kierspe zugeteilt. Was für ein Glück, möchte man sagen. Denn in der Volmestadt traf er auf Menschen, denen sein Schicksal nicht egal war. Vor allem Fritz Schmid hatte sich des jungen Syrers angenommen. Nahezu täglich trifft er den jungen Mann, erteilt ihm Deutschunterricht und hat ihm auch eine Anwältin besorgt, als klar war, dass die Bundesrepublik den 19-jährigen nach Ungarn abschieben möchte. Ein sogenanntes sicheres Drittland, das aber so große Mängel im Umgang mit den Flüchtlingen aufweist, das andere Verwaltungsgerichte wie auch Berlin nicht mehr dorthin abschieben.

Das sehen die Arnsberger Richter allerdings anders. „Jetzt sind alle Rechtsmittel ausgeschöpft. Jetzt hilft nur noch der Zufall. Denn wenn er ein halbes Jahr nach einem bestimmten Stichtag der Erfassung nicht abgeschoben wurde, dann wird das Verfahren in Deutschland eröffnet", erklärt Schmid.

Es gibt nicht viele Menschen, mit denen der umtriebige ehemalige Gesamtschulleiter in den vergangenen Monaten soviel Zeit verbracht hat wie mit Ali. „Ich habe ihn nur als kooperativen und sehr hilfsbereiten Menschen kennengelernt. Er lernt schnell und ausdauernd Deutsch. Doch jetzt ist er so niedergeschlagen, dass man es kaum aushalten kann. Er will keinesfalls zurück nach Ungarn. Die Erlebnisse dort waren für ihn so traumatisierend, dass sie alle anderen Erfahrungen der Flucht überschatten", so Schmid weiter. Der Kiersper fragt sich nun, welche Möglichkeiten noch bleiben. Da wäre dann noch der Petitionsausschuss des Bundestages, doch allein die Beratung des Falles hätte wohl keine aufschiebende Wirkung. Natürlich bliebe auch noch das Kirchenasyl. Doch dazu will Schmid gar nichts sagen: „Das ist eine Entscheidung der Kirchengemeinde, da dürfen und werden wir uns keinesfalls einmischen."

Wenn diese Möglichkeiten nicht in Betracht kommen sollten, dann bleibt nur noch der Zufall. Bei dem könnte die Statistik helfen. Denn bis zum Erreichen der Halbjahresfrist dürften es - je nach Zählweise - nicht einmal mehr acht Wochen sein. Außerdem müsste die Bundesrepublik nach derzeitigem Stand 32 000 Flüchtlinge nach Ungarn abschieben. Eine Zahl, die der mitteleuropäische Staat kaum bewältigen kann, da er mit der Flüchtlingssituation derzeit schon überfordert ist.